Invoice Dock

KI & Automatisierung

Was passiert mit meinen Rechnungsdaten, wenn eine KI sie liest?

Von Daniel Trefzger, Gründer von Invoice Dock

Wer Rechnungen von einer Software auslesen lässt, gibt Lieferantennamen, Beträge, Bankverbindungen und gelegentlich Namen von Beschäftigten aus der Hand. Die Frage danach ist berechtigt. Die Antworten im Markt sind es seltener.

Sie klingen beruhigend und lassen sich trotzdem nicht nachprüfen. Die Rede ist von hohen Sicherheitsstandards, von europäischen Werten, von Daten, die geschützt bleiben. Was fehlt, sind die drei Angaben, mit denen du selbst nachsehen könntest: welcher Dienstleister den Beleg liest, in welchem Land er sitzt, und wo die Zusage steht, dass damit nicht trainiert wird.

In der Frage stecken drei Fragen

Erstens: Trainiert jemand sein Modell mit meinen Rechnungen? Zweitens: Verlassen die Daten die EU? Drittens: Kann ich einem Datenschutzbeauftragten erklären, was passiert?

Die drei haben verschiedene Antworten, und nur die zweite ist eine Frage der Architektur. Eine Auskunft, die alle drei auf einmal erledigt, erledigt meistens keine davon.

Was bei Invoice Dock passiert

Seit dem 13.10.2026 läuft die Belegerkennung über Claude von Anthropic, betrieben von AWS über Amazon Bedrock. Vertragspartner ist die Amazon Web Services EMEA SARL in Luxemburg, Grundlage ist der Auftragsverarbeitungsvertrag von AWS nach Art. 28 DSGVO. Das Dokument geht als Ganzes an die KI. Verarbeitet wird es ausschließlich in Rechenzentren in der EU, nämlich in den Regionen Frankfurt, Irland, Paris, Stockholm, Mailand und Spanien. Gespeichert werden die Belege in Frankfurt. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit uns liegt gemäß Art. 28 DSGVO vor und ist in § 7 der AGB verankert.

Anthropic stellt das Modell her, betreibt es hier aber nicht. Die Dokumentation von Amazon Bedrock sagt dazu (Abruf 13.10.2026), Modellanbieter „don’t have access to Amazon Bedrock logs or to customer prompts and completions“.

Bedrock speichert Ein- und Ausgaben standardmäßig nicht, und Beschäftigte von AWS haben keinen Zugriff darauf (AWS, Abruf 13.10.2026). Weil die Daten weder gespeichert noch an Anthropic weitergegeben werden, stehen sie für ein Training des Modells nicht zur Verfügung.

Zwei Dinge liegen trotzdem außerhalb unserer Kontrolle. Die Amazon Web Services EMEA SARL gehört zu Amazon.com, Inc., einem Konzern mit Sitz in den USA. Ein Zugriff von US-Behörden nach US-Recht lässt sich deshalb nicht vollständig ausschließen, auch wenn die Verarbeitung in der EU stattfindet. Außerdem prüft AWS Bilddateien automatisch auf Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs. Treffer kann AWS speichern, prüfen und an Behörden melden (AWS, Abruf 13.10.2026). Beeinflussen können wir beides nicht, deshalb steht es hier und nicht im Kleingedruckten.

Warum sich die Erkennung nicht abschalten lässt

Unter der Erkennung liegt in Invoice Dock keine klassische Texterkennung, die den Beleg notfalls allein liest. Das PDF geht direkt an das Modell, und ohne Modell nimmt das System keinen Beleg an. Ein Schalter „KI aus“ würde hier nicht weniger Datenverarbeitung bedeuten, sondern keine Belegerfassung.

Eine Genauigkeit gehört dazu, weil sie sonst als Widerspruch auffällt: Bei einer hochgeladenen XRechnung oder ZUGFeRD-Datei prüft Invoice Dock ausgewählte Pflichtfelder aus dem XML selbst, dafür braucht es kein Modell. Die Rechnungsfelder holt trotzdem das Modell aus der Datei. Auch eine strukturierte E-Rechnung läuft also über das Modell bei Amazon Bedrock, nur die Formatprüfung nicht.

Wir könnten eine klassische Texterkennung nachbauen. Sie käme bei jedem Layout an ihre Grenzen, das sie nicht kennt, und bei einem darauf spezialisierten Dienstleister würden die Belege trotzdem das Haus verlassen. Der Schalter beantwortet die Frage also nicht, wegen der er eingebaut wäre. Das offen zu sagen halten wir für ehrlicher, als eine Abschaltung anzubieten, die nichts abschaltet.

Drei Fragen, die du jedem Anbieter stellen kannst

Welcher Dienstleister verarbeitet die Belegdaten, mit Namen? In welchem Land sitzt er? Und wo steht der Trainingsausschluss, im Marketingtext oder im Vertrag?

Auf jede der drei gibt es eine kurze, nachprüfbare Antwort. Bleibt sie allgemein, ist die Frage nicht beantwortet.

Welche Dienstleister im Einzelnen eingesetzt werden, steht in der Datenschutzerklärung. Zum gesetzlichen Rahmen rund um Eingangsrechnungen: E-Rechnungspflicht 2027 für KMU.

Häufige Fragen

Werden meine Rechnungsdaten zum Training von KI-Modellen verwendet?

Nein. Seit 13.10.2026 läuft die Belegerkennung über Claude von Anthropic, betrieben von AWS über Amazon Bedrock. Bedrock speichert Ein- und Ausgaben standardmäßig nicht, und Anthropic als Hersteller des Modells hat laut AWS keinen Zugriff darauf. Deine Rechnungsdaten stehen damit für ein Training des Modells nicht zur Verfügung.

Wo werden meine Belege verarbeitet und gespeichert?

Seit 13.10.2026 findet die Extraktion der Rechnungsdaten bei Amazon Bedrock in Rechenzentren in der EU statt. Vertragspartner ist die Amazon Web Services EMEA SARL in Luxemburg, mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Bedrock speichert die übermittelten Inhalte und die Antworten standardmäßig nicht. Gespeichert werden die Belege in Frankfurt. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit uns liegt gemäß Art. 28 DSGVO vor und ist in § 7 der AGB verankert.

Kann ich die KI-Erkennung in Invoice Dock abschalten?

Nein. Stand Oktober 2026 ist die Modellerkennung der Erfassungsweg selbst und keine Zusatzfunktion, die über einer klassischen Texterkennung liegt. Bei hochgeladenen E-Rechnungen läuft die Prüfung ausgewählter Pflichtfelder ohne Modell, die Rechnungsfelder holt aber auch dort das Modell. Ein Schalter würde nicht weniger Datenverarbeitung bedeuten, sondern keine Belegerfassung.

Nutzt Invoice Dock ein europäisches KI-Modell?

Stand Oktober 2026 nicht. Im Einsatz ist Claude von Anthropic. Betrieben wird das Modell von AWS über Amazon Bedrock, die Verarbeitung findet in Rechenzentren in der EU statt. Gespeichert werden die Belege in Frankfurt.

Über den Autor

Daniel Trefzger ist Gründer von Invoice Dock. Er arbeitet seit zwanzig Jahren in kaufmännischen Rollen im Mittelstand und hat Invoice Dock entwickelt, weil ihn der Rechnungseingang selbst genug Zeit gekostet hat. Fragen und Korrekturen an kontakt@invoicedock.de.

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